New Work – ein Buzzword mit Potenzial?

3.02.2020

Zur Jahresauftaktveranstaltung des Marketing Clubs Hannover unter dem Thema „New Work: Die neue Kunst Arbeitgeber zu sein“ habe ich mir einen Eindruck vom Buzzword des 21. Jahrhunderts gemacht und setze das Thema in den Kontext von Unternehmensberatung und Projektmanagement.

Was bedeutet das für uns Berater und wie können wir die Methode New Work in unseren Projektalltag integrieren?

Am 27. Januar war ich auf der Jahresauftaktveranstaltung des Marketing Clubs Hannover, die den vielversprechenden Titel „New Work: Die neue Kunst Arbeitgeber zu sein“ trug. Mit großen Erwartungen an die Redner aus diversen Branchen – von der Beratung über Kirchengemeinden zu Volontären und Entrepreneuren – betrat ich das Foyer des Herrenhäuser SchlossesBereits im Vorfeld wurde kräftig Networking betrieben und ich konnte mich mit den Teilnehmern direkt zu interessanten Themen und Trends der Business Welt austauschen.  

Im Stile des Pecha Kucha Prinzips hatten nun also die 11 Redner jeweils 20 Sekunden Zeit für 20 Slides, um Ihre Interpretation und gelebte Definition von New Work in ihren Unternehmen vorzustellen. Häufig zitiert an diesem Abend wurde Friethjof Bergmann, der Schöpfer des Buzzwords New Work. Seine recht einprägsame Definition für New Work lautet: „Arbeit, die wir wirklich, wirklich wollen“. Doch so trivial scheint das Thema nicht zu sein. Denn die 11 Redner brachten auch 11, teils unterschiedliche Perspektiven auf das Thema mit. So verstehen manche darunter Home Officeandere die Freiheit, selbst seine ihre Arbeit zu gestalten, sein ihr eigener Chef zu sein oder aber einfach die Möglichkeit, Arbeit mitgestalten zu können und Kollaborationen schaffen zu können. 

Einer der interessantesten Meinungen, insbesondere im Kontext der Digitalisierung und Business Transformation, ist meines Erachtens die von Michael Mollath, ehemaligem Mitarbeiter der Deutschen Messe. Für ihn nämlich bedeutet New Work nicht nur die Verpflichtung des Arbeitsgebers, flexibles Arbeiten zu ermöglichen oder einen Kickertisch als Maßnahme des Teambuildings aufzustellen, sondern auch den Arbeitsalltag nachhaltig zu vereinfachen. Als wesentlichen Schlüssel zum Erfolg sieht er die Veränderung der Organisation, der Prozesse, des Teams und der teaminternen Zusammenarbeit. Heutzutage sei es nicht mehr möglich, alles offline zu lösen und durch Präsenzmeetings wie Working Out Loud den Teamzusammenhalt zu stärken, vielmehr müssten Tools herangezogen werden. Als Beispiele hierfür nannte er die Enterprise und MS Office Lösungen, die es einem heutzutage ermöglichten, Teams über nah und fern zu organisieren und ein modernes Workplace zu schaffen. Trotz einer Mehrheit von Teilnehmern der Generation Y  als digital Natives, war  Michael Mollath der einzige Redner, der dargestellt hat, wie New Work auch in einer digitalisierten Welt mit räumlichen Distanzen zwischen den Beteiligten funktionieren kann.

Doch auch neben ihm gab es weitere inspirierende Redner. So stellte Enercity sein junges, innovatives Lab vor, das als erstes Team im Konzern autark und ohne Führungskraft arbeitet und so Themen aus New Work in der sonst rechthierarchisch geprägten Struktur des Energieriesen durchsetzt. KMPG und VGH Mitarbeiter haben sich in einem Team zusammengefunden, um in beiden Konzernen New Work nachhaltig zu leben. Nach ihrem Verständnis ist das Leben von New Work maßgeblich für die Sicherstellung der Innovationskraft eines jeden Unternehmens. Denn fünf von insgesamt 14 Innovationshürden, beispielsweise Compliance , unklare Kompetenzen, begrenztes Budget, unstrukturierte Prozesse usw., lassen sich durch New Work leicht beheben.  

Eine Frage zog sich derweil noch immer durch den ganzen Abend: Die Frage nach dem Wie?“. Die richtige Antwort auf die Frage sollte ich am Ende des Abends leider nicht bekommen. Nichtsdestotrotz wurden viele Inspirationen und Denkansätze vermittelt, wie das Thema, zumindest oberflächlich, im Unternehmen und in Projekten angegangen werden kann. Für mich als Beraterin ist es wichtig, immer neue Ideen, Denkanstöße und Methoden in den Projektalltag einzubringen, um langfristig den effizienten Projekterfolg sicherzustellen. Auch, wenn ich New Work nicht nachhaltig beim Kunden einbringen kann, so kann ich zumindest mein Projekt mithilfe agiler Ansätze organisieren. Das heißt, Projekte können mit mobiler Leichtfüßigkeit organisiert und getreu des New Work Prinzips dergestalt konzeptioniert werden, dass den Projektmitarbeitern die nötige Freiheit und Flexibilität zugestanden wird, die sie benötigen, um ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen und dennoch ihre Ziele zu erreichen.  

Mein Fazit des Abends: New Work ist nicht nur ein Buzzword, sondern eine ganz eigene Art von Bewegung, von Strömung. New Work zieht seinen Kreis nicht nur um Arbeitgeber, betrifft es doch auch Arbeitnehmer, Berater, Kirchenverbände, Arbeitsrechtler und Viele mehr. Ziel ist es, für alle Seiten eine vernetzte und sowohl arbeitnehmer als auch arbeitgeberfreundliche Umgebung mit Möglichkeiten der Zusammenarbeit auszuschöpfenDie Rahmenbedingungen dafür und wie diese im Unternehmen konkret implementiert werden können, bleiben offen und jedem Unternehmen selbst überlassen. Anhand von Best Practice und gelebten Beispielen, können sich Unternehmer inspirieren lassen und Individuallösungen für Betrieb und Belegschaft schaffen.  

 

Die Autorin: Nadja Knibbe ist Associate Consultant bei der Blue Mountain Consulting GmbH und neben ihrer Beratertätigkeit innerbetrieblich für den Bereich Marketing und Innovation verantwortlich.